• Vom Querdenken zum Umdenken

Ein Querdenker ist jemand, der nicht einer allgemeinen Meinung folgt oder sich alter Gedankenmuster bedient. Er bleibt auch nicht in gewohnten Gedankenmustern stecken.

Zum Querdenken braucht es aber nicht nur Mut, sondern auch immer aufs Neue die Bereitschaft zu einem lebendigen, beweglichen und vor allem unvoreingenommenen Denken. Im Grunde ist diese Fähigkeit ein positives Zeichen von Wachheit und klarer Wahrnehmung. Erst in jüngster Zeit ist dieses Wort zum Schimpfwort mutiert, werden Menschen damit angegriffen, die eine andere Meinung vertreten, als eine scheinbare Mehrheit.

Es ist nicht unbedeutend, dass wir uns mit unserem Denken sowohl in der Sphäre Michaels befinden, als auch seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der des Ahrimans. „….Seit dem Kampf Michaels mit dem Drachen sind jene ahrimanischen Scharen in den Reichen der Menschen zu finden. Das bedeutet, dass die menschlichen Seelen in Bezug auf gewisse Erkenntniskräfte von ahrimanischen Impulsen ergriffen wurden und gewisse Seelen entwickeln nämlich gerade dadurch einen unwiderstehlichen Hang nach dem verstandesmäßigen Materialismus. Sie beginnen nach und nach diese Impulse Ahrimans als etwas besonders Erhabenes, besonders Hohes in der Denkweise zu bezeichnen…..“ (Vgl. Rudolf Steiner, GA 177, Vortrag vom 14.10.1917)

Ahrimans Wirken auf der Erde spiegelt sich besonders in ausgeprägtem Scharfsinn und Kritik. Ihm ist der schnelle und scharfe Intellekt zu eigen und jeder selbstkritische Querdenker wird sich eingestehen müssen, dass er sich auch dieser Kräfte bedient, wenn er das Denken, die Argumente anderer Menschen widerlegen will.

Der Kampf um gültige Erkenntnisgrundlagen zur Einschätzung der gegenwärtigen Krise ist folglich nicht nur eine Auseinandersetzung zwischen Spiritualität und Materialismus, oder zwischen Gut und Böse, sondern spielt sich auch in jedem von uns ab!

Mit unserem Denken aufzuwachen für gesellschaftliche und kulturelle Fragen, ist ein erster, wichtiger Schritt. Er beginnt damit, uns nicht einschläfern zu lassen von einseitigen Darstellungen, setzt sich fort mit einem selbstständigen Nachdenken über verschiedene Zusammenhänge, mit wiederholtem Hinterfragen des scheinbar Gegebenen und mit der ehrlichen Sehnsucht, etwas zu durchschauen, was uns nicht richtig erscheint. Dafür braucht es einen scharfen Verstand und eine sichere Urteilskraft. Da schlagen wir Ahriman gewissermaßen mit seinen eigenen Waffen.

Doch „…. All dieses Denken, das sich auslebt in technischen Erfindungen, das sich auslebt in der Kritik, in der Bildung scharfsinniger Begriffe, all das ist materielles Denken….. und aus diesem heraus kann sich nie das Gute ergeben.“ (vgl. ebenda, Vorträge vom 27.10. 1917 und vom 28.10.1917)

Vermeintlich falsche Gedanken richtig zu denken und sich inhaltlich für das Gute und Schöne und Wahre einzusetzen, schützt uns nicht vor der Gefahr, gerade von jenen Kräften besetzt zu werden, gegen die wir in den Kampf gezogen sind.

Um dem zu entgehen und an der Seite der Geister des Lichts zu kämpfen, den Archangeloi und Angeloi, die seit dem 19. Jahrhundert in unserem Blut- und Nervensystem real verankert sind, braucht es zweierlei:

Zum einen schonungslose Selbsterkenntnis: denn nichts wird besser werden, solange wir das Böse gewohnheitsmäßig nach außen verlagern und nur dort bekämpfen. Wir können nicht gewinnen, wenn wir nicht selber gütig werden. Und wir können der Freiheit nicht zum Sieg verhelfen, solange wir uns innerlich nicht mehr und mehr von den Einflüssen der Widersachermächte befreien.

Dieses aber wird aber solange nicht möglich sein, bis wir uns mit derjenigen Wesenheit verbinden, welcher der Mensch seine Freiheit verdankt: „Den Freiheitsgedanken sollten die Menschen nicht ergreifen können, ohne den Erlösungsgedanken des Christus. Dann allein ist der Freiheitsgedanke ein berechtigter. Wenn wir frei sein wollen, müssen wir das Opfer bringen, unsere Freiheit dem Christus zu verdanken. Dann erst können wir sie wirklich wahrnehmen.“ (Vgl. Rudolf Steiner, GA 131, Vortrag vom 14.10.1911)

So braucht es nicht nur kritische Fragen nach den äußeren Zusammenhängen und Hintergründen der aktuellen Zeitenlage, sondern zugleich das unermüdliche Bestreben, die Ereignisse unter spirituellen Gesichtspunkten zu bewegen. Die Integration eines ganzheitlichen Menschen- und Weltbildes in die im Materialismus erstarrte Kultur der Gegenwart, wird nur durch eine nachhaltige und neue Geistes- und auch Seelenhaltung möglich sein.

Indem er dieses begreift, wird der Querdenker zum Umdenker werden, und sich nicht länger damit begnügen wollen, nur anderes, sondern auch anders zu denken, als es die breite Öffentlichkeit tut. Die scharfen Verstandeskräfte dürfen nur genutzt werden, um sich das entsprechende Wissen anzueignen. Dann aber muss dieses „Erdenwissen“ in „Geistesweisheit“ umgeschmiedet werden, sodass sich die spirituellen Zusammenhänge der derzeitigen Weltenkrise offenbaren können. Das Umdenken aber wird sich zu einem neuen Mitfühlen erweitern, dem die entsprechenden Willensimpulse folgen müssen, sodass die Menschheit sich wieder erinnert an das „Gottes-Innere“.

„….Wir leben nun einmal in dem Zeitalter, in dem die Menschen ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen müssen. Dazu aber wird ernstlich notwendig sein, dass gewisse Dinge durchschaut werden, die aber nur durchschaut werden können, wenn man die Kräfte, die spirituellen Kräfte kennt.“ (Vgl. GA 177, Vortrag vom 28.10.1917)

Auszüge aus dem Artikel „Vom Querdenken zum Umdenken“ von  Barbara Ziegler-Denjean, in „Ein Nachrichtenblatt“ Nr.5, 21.02.2021

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