• Vom gesunden sozialen Organismus

und dem individuellen Bewusstsein

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – das sind die drei Ideale der Französischen Revolution. Und sie sind auch noch heute Zukunftsideale! Sie sind nicht willkürlich aus der Luft gegriffen, es sind Ideale, die für eine soziale Notwendigkeit stehen. Wie der menschliche Organismus seine unentbehrlichen Lebensbedingungen hat, so hat sie auch der soziale Organismus (das ist die Menschheit).

Im Geistesleben, also in Kultur, Bildung und vor allem in der Wissenschaft, müsste absoluteste Freiheit herrschen. Da dürfte es keinerlei Abhängigkeit geben von staatlichen oder wirtschaftlichen Interessen oder Kräften. Der Organismus ist krank, solange z.B. die Forschung von der Wirtschaft finanziert wird, das heißt: solange die Forschung auf Profit ausgerichtet ist und nicht auf das Menschlich-Notwendige. Der Organismus ist krank, solange Medien, die sachlich informieren sollen, finanziell von Wirtschaft und Staat abhängig sind.

Im Rechtsleben ist das Prinzip der Gleichheit das notwendige Lebensprinzip. Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Das ist der Bereich, auf den sich der Staat eigentlich zu beschränken hätte.

Ein gesundes Wirtschaftsleben schließlich gedeiht nur im Element der Brüderlichkeit. Der größte Feind der Brüderlichkeit im Wirtschaften ist die Tatsache, dass Geld und auch die menschliche Arbeitskraft zur Ware gemacht wurde. Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben heißt: der Einzelne arbeitet aus altruistischen Motiven für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen.

Eines wird vielleicht deutlich: Der erste Schritt zur Heilung des Sozialen muss die Befreiung des Geisteslebens sein. Die Befreiung von Bildung, Forschung, Information, etc. kann unser Denken urteilsfähig machen – urteilsfähig für das Lebensfremde der Experten-Logik, urteilsfähig für die mediale Berichterstattung, urteilsfähig für so manche Absurdität der Gegenwart.

In seinen Gefängnisaufzeichnungen sagt Dietrich Bonhoeffer: das Haupthindernis für die Ausbildung der Urteilsfähigkeit ist die Bereitschaft, sich durch Propaganda verdummen zu lassen. Die moderne Psychologie hat experimentell gezeigt, mit wie erschreckend einfachen Mitteln man unser Bewusstsein unselbstständig machen kann und wehrlos gegenüber Lügen und Täuschungen.

Am Anfang eines solchen Experiments stellt der Versuchsleiter den Teilnehmern eine Behauptung vor, die unwahr ist, und er erklärt ihnen, warum sie falsch ist. Im weiteren Verlauf wird diese unwahre Behauptung ständig positiv wiederholt. Und es stellt sich heraus: je öfter die Unwahrheit wiederholt wird, umso mehr gewinnt sie bei den Teilnehmern an Glaubwürdigkeit. Und das, obwohl die Versuchspersonen vorher genau aufgeklärt werden.

Das ist aber noch nicht das Verheerende an der Sache. Diese gebetsmühlenartige und wie selbstverständliche Wiederholung einer Lüge bewirkt nämlich eine Herabdämpfung unserer geistigen Verfassung, eine folgenschwere Herabdämpfung unseres Bewusstseins.

Aber: wo ein monströser Schatten die ganze Menschheit zu manipulieren droht, dort, wo Machthaber zur Erreichung ihrer Ziele angewiesen sind auf die Abwesenheit unseres individuellen Bewusstseins, da muss auch ein mächtiges Licht sein! Das Licht bricht sich im einzelnen Menschen Bahn – und nur im einzelnen Menschen. Es bricht sich überall da Bahn, wo der Einzelne am Wiederstand dieses Schattens aufwacht, zu sich kommt und selbst die Verantwortung für sein Menschwerden übernimmt. Dieses Licht kündigt sich an in dem Satz:“ Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!“ (Joh. 8:32)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Vgl. Kernpunkte Nr.14/Jahrgang 3/ 20.November 2020, Dr. Thomas Külken, Rede in Sinsheim den 16. Oktober 2020/Seite 7ff

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