Bericht: 06.01.20 Epiphania – Fest zur Taufe des Jesus im Jordan

 

Die Weisen aus dem Morgenland und die Taufe am Jordan

Epiphanie – ein tiefgründiges Fest am Ende der Raunächte

Bad Reichenhall. Am 6. Januar feierte die Rudolf Steiner Gesellschaft in Kooperation mit der Akademie Zukunft Mensch im Festsaal des Hotel Axelmannstein das Fest der Epiphanie, der Erscheinung des Herrn. Moderatorin Brigitte Janoschka führte zum Thema hin, nämlich zur Erscheinung des Christus im Unterschied zur Geburt Jesu an Weihnachten. Christus als Überbringer der Liebe und der Freiheit sei mitten unter uns erschienen, sagte sie. Die vier Evangelien zur Taufe im Jordan nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes wurden vorgelesen. Axel Burkart vertiefte das Thema in seinem Vortrag, und Cellist Davide Zavatti bereicherte die Veranstaltung mit Werken von Johann Sebastian Bach, Hildegard von Bingen und Raphael Simcic. Zavattis Violoncello ist auf 432 Hz gestimmt, und er spielt Bach in einer entschleunigten Form, die die Aufnahme der Botschaft beim Zuhörer intensiviert. Er spielte zum Beispiel die Suite IV in Es-Dur, das Präludium in E-Dur, „Ich steh an deiner Krippen hier“ aus dem Weihnachtsoratorium, „Bist du bei mir“ und „Es kostet viel, ein Christ zu sein“ von Bach, „Caritas abundat“ („Die Liebe überflutet alles“) von Hildegard von Bingen und den von Simcic vertonten Spruch Rudolf Steiners zur Weihe-Nacht.

Axel Burkart stieg tief in die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners ein. Er sprach darüber, dass mit der Taufe des Jesus am Jordan der Christus in diesen einzog, auch wenn dies für manchen Zuhörer schwer zu verstehen war. Dieses Geschehen beruhe auf dem salomonischen und dem nathanischen Jesusknaben. Denn in den beiden Weihnachtsgeschichten von Matthäus und Lukas, die ja den Stammbaum des jeweiligen Kindes angeben, geht der Stammbaum jeweils auf einen anderen Sohn von König David zurück, nämlich der eine auf Salomon, der zweite auf Nathan.

Burkart übertrug das Geschehen am Jordan auf uns Menschen heute und sagte: „Wenn wir unsere Taufe erleben, erwacht der Christus in uns.“ Diese innere Begegnung mit Christus ist für Menschen jeder Religionszugehörigkeit möglich, betonte Burkart, denn Christus ist für die gesamte Menschheit gekommen. Der Vortragende schloss mit einem Appell, in diesen Zeiten der Krise voller Mut zu handeln, die Angst, Bequemlichkeit und Feigheit zu überwinden und die Freiheit zu ergreifen, bevor er das Gedicht von Novalis „Was wär ich ohne dich gewesen“ vortrug.

Dieses beschreibt mit lyrischen Worten das Verhältnis des dichterischen Ich zu Christus. Darin kommt eine große Dankbarkeit zum Ausdruck, zu der auch Axel Burkart aufrief. Die Besucher wurden dann dazu eingeladen, sich in einer musikalisch begleiteten Meditation an einem Taufbecken, dessen Original im Besitz Steiners war, mit Wasser zu benetzen.

 

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka

Erschienen in Archiv.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.